LagerTipp 137 | November 2016

Nachfolger in Handwerksbetrieben – wie Ihr Nachfolger zum Chef wird

Inzwischen haben wir viele Betriebe erlebt, in denen die Söhne und Töchter die Nachfolge antreten wollen. Väter, die den Betrieb in den nächsten Jahren abgeben wollen, organisieren oft den Betrieb ihren Kindern zuliebe und um „das Haus zu bestellen“.

„Ich schenke euch das Projekt, damit ihr es besser habt als ich im Arbeitsleben.“ (Originalton).
Manche Kinder fordern sogar diese Neuorganisation ein mit den Worten: „Vater, wenn du das Projekt nicht machst, nehme ich den Betrieb nicht!“ (Originalton).

Was tun, wenn der Sohn oder die Tochter nun nicht bereits diese offensichtliche Rolle des zukünftigen Chefs eingenommen hat?
Nicht jeder Nachfolger hat bereits das Standing, sich im Betrieb durchzusetzen, vor allem, wenn derjenige längere Zeit in der Mannschaft mitgearbeitet hat oder mit den Mitarbeitern groß geworden ist.
Zunächst beleuchten wir den Hintergrund, wie es kommt, dass Nachfolger nicht ihre Rolle einnehmen können als Chef.
Als Menschen sind wir soziale Wesen. Das bedeutet, dass wir abhängig sind von der positiven oder negativen Zuwendung anderer. Das kommt aus der frühen Kindheit: Wir waren abhängig von der Zuwendung der Mutter. Bekamen wir keine Zuwendung, bestand die Lebensgefahr zu verhungern oder gefressen zu werden. Um dies zu vermeiden haben wir gelernt, uns Zuwendung zu verschaffen. Wurden wir nicht beachtet, haben wir dafür gesorgt, dass wir Zuwendung bekamen indem wir geweint haben, damit sich ein Teilnehmer unserer sozialen Gruppe um uns kümmert. Damit konnte die Lebensgefahr abgewendet werden.

Soweit zum Ursprung des Hungers nach Zuwendung bei Kindern bzw. dem Bedürfnis nach Anerkennung in der sozialen Gruppe beim Erwachsenen.

Wenn nun ein Nachfolger längere Zeit mit den Mitarbeitern in der Werkstatt gemeinsam gearbeitet hat, dann gehört er zur sozialen Gruppe der Werkstatt. Soll er nun den Mitarbeitern der Werkstatt Ansagen machen als zukünftiger Chef, ist es nötig, die bisherige soziale Gruppe zu verlassen. Dann besteht aber die Gefahr ausgegrenzt zu werden von der bisherigen Gruppe und noch keine Zugehörigkeit zu haben zur neuen Gruppe.
Deshalb ist es nötig für den Nachfolger, die Anerkennung der neuen sozialen Gruppe (Führungskreis) zu erhalten, um das Bedürfnis nach Anerkennung und sozialer Zugehörigkeit stillen zu können.
Der Nachfolger kann zum Beispiel durch organisatorische Maßnahmen aus der Gruppe herausgelöst werden, indem er eine Sonderaufgabe im Betrieb erhält. Eine Sonderaufgabe ist zum Beispiel die Projektleitung eines Paulus-Lagerprojektes.In diesem Moment wird er aus der Werkstatt- Mannschaft herausgelöst und, da er zwingend Ansprechpartner für die anderen Mitarbeiter wird, automatisch zur Führungskraft des Lagerprojektes und damit zur Führungskraft im Betrieb mit einem ersten eigenen Verantwortungsbereich.
Dieser Nachfolger kann sich über dieses Projekt zu einer Stabsstelle der Geschäftsleitung entwickeln und gleichzeitig üben, seine ehemaligen Kollegen als Mitarbeiter in diesem Projekt anzuleiten.

Soziologisch ausgedrückt: Der Nachfolger wird mit Hilfe eines solchen Projektes inthronisiert.
Nach so einem Projekt zum Chef zu werden ist erheblich einfacher als durch Ordre de Mufti vom Vater – was mit Problemen behaftet sein kann, wenn der Nachfolger nicht authentisch in seine Rolle hineinwachsen kann.

Sollten Sie solche Schwierigkeiten im Betrieb haben, können Sie auch überlegen, wie Sie Ihren Nachfolger anderweitig in die Führungsebene erheben. Zum Beispiel ihn zum Steuerberater mitnehmen, die BWA monatlich besprechen, täglich gemeinsam frühstücken usw. um ihm am Wissen und an den Vorgängen der Geschäftsleitung teilhaben zu lassen und damit Zutrauen in die noch wachsende Kompetenz zu zeigen.
Hilfreich ist es auch, Kompetenz dem Nachfolger zuzuschreiben. Mit dieser großen Wertschätzung kann er sich gut Schritt für Schritt in die Kompetenz hineinentwickeln.

Paulus-Lager GmbH

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