Lagertipp 146 | August 2017

Druck und Burnout- Gefahr von Lageristen. Was tun sie und wie kann man die Überlastung vermeiden?

Die Zahl der Lageristen, die wir in den Betrieben mit glasigen Augen, wuterfüllt, sich hilflos fühlend und genervt seiend von der täglichen Arbeit, erleben, hat erschreckend zugenommen.

Ein Hintergrund ist sicherlich die hohe Arbeitsbelastung durch die jahrelange starke Auftragslage. Oft ist folgende Situation ihre tägliche Arbeit: Ein zweiter Hintergrund ist, dass Lageristen nicht lösbare Aufgaben erfüllen sollen.Das ist für Menschen der sicherste Weg in die Überlastung. Sie werden nämlich eingestellt um dafür zu sorgen, dass das Lager endlich funktioniert und bekommen kein System oder Anleitung, um das zu schaffen.

Was tun die Lageristen wenn wir anfangen?

Eine kleine Beschreibung derer täglichen Arbeiten:Ware annehmen, mit Lieferschein prüfen, „wegräumen“, „Kommissionen richten“, Standardmaterial bestellen, Baustellenrücklauf wegräumen, Rückläufer einbuchen (Teile- genau!!!), Retouren zurückgeben, den Platz um die Abfallcontainer sauber halten, Hof kehren, Schnee schieben und streuen, Gras mähen, aufräumen für die Mannschaft.

Auf Deutsch: Nichts davon können sie (weil sie kein System haben dafür). Lageristen sind der Depp für Alle. Sie bekommen ständig Ärger von den Monteuren und dem Chef und sind in einer Sandwich- Position. Für niemand im Betrieb machen sie die Arbeit richtig, da das dazugehörige System fehlt. Schließlich bekommen sie Schmerzensgeld um diesen Mangel auszuhalten.

Wenn Sie diese Aufzählung mit Verstand lesen, werden Sie feststellen, dass dies der Weg ist, Menschen derartig für nicht erfüllbare Arbeiten zu kränken, bis der Persönlichkeitskern beschädigt ist. Narzisstische Kränkung lautet der Fachausdruck. Dann ist der Mensch endlich fertig gemacht worden und jetzt therapiebedürftig denn bis dahin ist er tausende male beschimpft worden für Unfähigkeit. Tolle Leistung von Unternehmern die uns erzählen, sie haben einen Lageristen eingestellt und benötigen nun keine Lageroptimierung mehr.

Warum ist die Autorin hier so heftig in ihrem Wunsch, diese Menschen zu schützen? Weil es ein aggressiver Akt der Betriebsinhaber ist, Menschen dieser Arbeitsplatzbeschreibung auszusetzen.

Denn das bedeutet im Genauen:

  • Ware annehmen und mit Lieferschein prüfen ist nicht möglich wenn die korrekte Bestellung fehlt
  • Wegräumen ist nicht möglich wenn nicht definiert ist, ob es Standard- oder Kommissionsmaterial ist
  • Kommissionen richten ist nicht möglich wenn es keine Definition von Standard- oder Kommissionsmaterial gibt, denn es ist nicht im Hause
  • Standardmaterial bestellen ist nicht möglich, wenn es keine Definition von Standard- oder Kommissionsmaterial gibt, denn er weiß nicht was fehlt und was im Hause sein muss
  • Baustellenrücklauf wegräumen ist nicht möglich, wenn es keine Definition von Standard- oder Kommissionsmaterial gibt, denn er weiß nicht, was was ist und von welcher Baustelle es kommt
  • Rückläufer einbuchen ist nicht möglich wenn es keine Definition von Standard- oder Kommissionsmaterial gibt, denn das bläst die Inventur auf aberwitzige Beträge auf, die niemals mehr abgebucht werden weil das Material ohne Abbuchung durch die Monteure entnommen wird.
  • Retouren zurückgeben ist nicht möglich wenn es keine Definition von Standard- oder Kommissionsmaterial gibt, also schimpft der Chef.
  • Platz um die Abfallcontainer sauber halten ist die Arbeit eines Menschen der von anderen dafür bestraft wird, dass er nichts drauf hat. Weil die Monteure sich ärgern, dass er ihnen das Material nicht ordentlich vorrichtet, lassen sie ihren Ärger an ihm aus indem der Abfall neben die Container geworfen wird.
  • Hof kehren und Salz streuen wird manchmal als das einzige erachtet, was ein Lagerist beherrscht.
  • Kleinmaterial nach Sichtkontrolle bestellen.

Wir haben noch nicht begriffen, warum Inhaber glauben, dass ein Mensch über 1.200 Artikel nach Sichtkontrolle bewirtschaften kann. Es ist eine Illusion.

Die Situation solcher Lageristen, die wir immer wieder antreffen, ist verzweifelt. Manche Inhaber waren so klug uns zu holen um diese Menschen zu entlasten.

Was ist deren Aufgabe und wie kann man diese Gefahr mit dem Paulus-Lager verhindern?

Folgende sind ihre tatsächlichen Aufgaben wenn wir den Betrieb organisiert haben: 

  • Warenannahme und Wareneingangsprüfung mit Nachtelefonaten anhand korrekter Bestellunterlagen
  • Baustellenrücklauf abwickeln anhand des definierten Prozesses
  • Retouren Abwicklung anhand des definierten Prozesses
  • Kommissionen richten anhand von komplett vorhandenen internen und externen Bestellscheinen und sowie Angaben, die sie von den Baustellen abgefragt haben
  • Standardmaterial bestellen, nachdem von den Monteuren die Nachbestellung ausgelöst wurde anhand der Bestellkarten
  • Reklamationen abwickeln
  • Rückläufer einbuchen entfällt.
  • Bestellen nach Sichtkontrolle entfällt.

Den Platz um die Abfallcontainer kann jetzt ein Helfer sauber halten, dafür ist der Lagerist zu wertvoll denn nun übernimmt er einen großen Anteil an Produktivarbeit für den Betrieb. Schnee schippen kann ein Helfer jetzt billiger. Oder er macht es aus Wohlwollen um den Betriebsablauf noch besser zu unterstützen.

Ein Selbstwertproblem hat er jetzt auch nicht mehr: Er ist auf Augenhöhe mit der Werkstatt und den Monteuren. Schließlich ist er jetzt dank des standardisierten Systems geschätzter Dienstleister für sie.

Es fällt schon manchmal sehr schwer auszuhalten, dass ein Unternehmer eine kurze Email schreibt um mitzuteilen, dass der Ersttermin entfällt, weil er jetzt einen Lageristen hat. Anstelle diesen schulen zu lassen, damit der Betriebsablauf gelingt und dieser Mensch seine Arbeit erfolgreich erledigt, hat er jetzt jemand den er fertigmachen kann, weil er nichts draufhat. Damit er sich die Beraterkosten sparen kann.
Das absurde daran: Der Lagerist wird eingestellt, weil der Chef und andere unzufrieden sind mit den Abläufen. Damit sind wir am Anfang des Artikels.  

Paulus-Lager GmbH

Kerkstiege 28, 48268 Greven

Geschäftsführerin: Dipl.-Ing. Doris Paulus

Tel. +49 (0)2571/540 41-60

Fax +49 (0)2571/540 41-89

E-Mail: erfolg[@]paulus-lager.de

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