Lagertipp 155 | Mai 2018

Wir haben kein Lager“ – wie realistisch ist das?

Viele Inhaber sprechen uns auf Veranstaltungen oder Messen an und informieren uns darüber, „wir haben kein Lager“. Warum sie das tun haben wir noch nicht herausbekommen. Wenn wir dann nachfragen sieht es nicht so aus als würde dies funktionieren.

Problem 1:

Wie klappt das dann mit den vielen Kleinteilen, die nicht planbar sind vor einem Auftrag, die man nicht aus den nicht vorhandenen Regalen mitnehmen kann?

Mein Kommentar dazu ist häufig: Das Problem ist weniger das „Produktionsmaterial“, also das, was man/frau bei der Planung vor Augen hat, wenn für eine Baustelle bestellt wird, sondern das Material das man benötigt, um arbeitsfähig zu sein. Dazu gehören Chromringe, SDS Bohrer, Syphons, Dichtungen, Lötwasser, Klebebänder, Batterien für Messgeräte, Cutterklingen usw. Also rund 50% des Lagermaterials, wenn wir einen Betrieb organisieren.

Nur etwa 50% des gesamten „Lagers“ ist Produktionsmaterial. Der Rest ist billiges C Material bei unseren Kunden, das für die Arbeitsfähigkeit benötigt wird. Es sorgt für Einkaufsfahrten wenn es fehlt, oder dafür, dass eine Baustelle zweimal angefahren werden muss. So wird Umsatz verhindert und damit Gewinn.

Lösung:
Alle erforderlichen Kleinteile werden mit Min- und Maxmengen bewirtschaftet und schon gibt es Kreppband für alle, wenn es notwendig ist. In derselben Zeit können mehrere Baustellen angefahren werden und durch das einfache Bestellsystem werden die Projektleiter bzw. Inhaber entlastet.

Problem 2:

„Wir haben kein Lager“ heißt auch, dass Mitarbeiter nicht wissen, wohin sie ihre von der Baustelle zurückgebrachten Kisten wegsortieren können. Da es offiziell „kein Lager“ gibt, gibt es auch keine definierten Orte für dieses Material. In allen Ecken stapeln sich deshalb unordentliche Baustellen- Restkisten mit oft tausenden Euro Wert.

Aus Resignation darüber, dass es in ihren Betrieben so schlimm aussieht, und sie das Lager nicht mehr in Griff bekommen, beschließen manche Inhaber dann, „sie haben kein Lager“ und gehen auch gar nicht mehr in ihre Lagerräume. Das erleben wir auch.

Lösung:
Wenn es einen Baustellenrücklauf gibt, also gemischte Kisten abends, dann wird ein Regal vorgesehen, wo diese gemischten Kisten abgestellt werden dürfen. Diese gemischten Kisten werden mit einem Baustellenrücklaufschein beschriftet, so dass man weiß, von welchem Projekt, welchem Kunden und von welchem Mitarbeiter das Materia zurückgegeben wurde.

Problem 3:

Wir wissen auch, dass der Großhandel Seminare für „Lageroptimierung“ und „Betrieb ohne Lager“ anbietet. Um die Handwerksbetriebe zu binden, vermuten wir.

Denn bei Betrieben mit „wir haben kein Lager“ ist es nötig, dass der Großhändler mehrmals am Tag liefert und abholt. Manchmal dasselbe Material morgens hin, abends zurück und am nächsten Tag wieder. Manche Betriebe mit „keinem Lager“ werden dreimal am Tag beliefert. Diese Betriebe sehen wir abhängig wie einen Junkie von der Nadel. Drei Schuß am Tag, sonst geht nichts.

Wie wir von unseren Kontakten wissen, überlegen Großhändler bereits auch, ob sie diese Dienstleistung – also jede Anfahrt – zukünftig extra abrechen werden. Das wird dann teuer für diese Betriebe, die hoch abhängig sind. Es gibt Großhändler, die intern bereits zwischen A – G – Kundenbetrieben unterscheiden, je nachdem welche aufwändige Dienstleistung der Handwerkskunde einfordert.

Lösung:
Es wird ein Lager eingerichtet, worin die Prozesse der Betriebe mit Lagerregalen abgebildet wird. Natürlich gibt es Lagerregale für die wiederkehrenden Standardmaterialien.Für die projektbezogenen Kommissionsmaterialien wird ein Retourenprozess eingerichtet mit passenden Retourenregalen. Wenn keine Retoure läuft, sind diese Regale leer. Denn alles andere ist Standardmaterial und kann jeden Abend in die definierten und beschrifteten Regale wegsortiert werden.

So gibt es keine gemischten Restkisten mehr, alles Material geht zurück in den Produktionsprozess, keine tausende Euro stehen als gemischte Kisten mehr in Ecken herum und es herrscht Ordnung und Sauberkeit. Ganz einfach. Aber nicht simpel, es einzurichten.

Vielleicht haben wir drei Projektleiter nur nicht verstanden, wie einfach es geht, aber ganz ehrlich, „Wir haben kein Lager“ verstehen wir nicht, weil es keine uns bekannten funktionierende Prozesse und Betriebe dazu gibt. Keine die wir kennen. Versteht sich. Vielleicht kennen wir sie nur noch nicht.

Paulus-Lager GmbH

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